Staatsregierung will mit grünen Vorschlägen Provenienzforschung stärken

GRÜNE WOCHE

Am 20. Mai 2014 präsentierte die Bayerische Staatsregierung im Wissenschaftsausschuss ihre Pläne zur Stärkung der Provenienzforschung. Dabei griff sie Vorschläge auf, die die Grünen schon seit langem unterbreitet haben.

Bereits bevor das Thema NS-Raubkunst durch den Fall Gurlitt in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt war, hatten die Grünen auf die jahrzehntelange Untätigkeit der Regierung hingewiesen und von ihr mehr Anstrengungen bei der Suche und Restitution von Raubkunst aus den Beständen der staatlichen wie privaten und kommunalen Museen verlangt. Sie kritisierten, dass es an Mitteln und Fachpersonal fehle und kaum forschungsrelevante Archivalien und Quellen digitalisiert worden seien.


„Offensichtlich brauchte es unseren Anstoß, dass die Regierung initiativ wird“, erklärte der kulturpolitische Sprecher Sepp Dürr, „es ist höchste Zeit, dass sie endlich ihre historische Verantwortung annimmt“.
Ein erster richtiger Schritt, weitere müssen folgen.

In einem auf Anregung der Grünen vorgelegten Bericht räumt die Regierung „großen Handlungsbedarf“ ein. Deshalb soll ein „Forschungsverband Provenienzforschung“ unter Beteiligung der staatlichen Museen, Archive, Bibliotheken und wissenschaftlichen Einrichtungen eingerichtet, die Aktenbestände der Staatsarchive erschlossen und digitalisiert und anschließend den Forschern verfügbar gemacht werden. Begleitend soll die Provenienzforschung in Lehre und Ausbildung gestärkt werden. Die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen will die bislang wegen fehlender personeller und finanzieller Ressourcen überforderten kommunalen und privaten Museen bei der Suche und Rückgabe von Raubkunst mehr als bisher unterstützen, wie die Leiterin Astrid Pellengahr im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst ausführte. Zunächst sollen die Inventarlisten der vor 1945 gegründeten Kunstmuseen durchsucht werden und bei Verdacht auf Raubkunst Provenienzforscher der Landesstelle bei der Klärung helfen. Das Projekt ist vorläufig auf drei Jahre befristet.
„Es ist ein erster richtiger Schritt, weitere müssen folgen“, sagte das Ausschussmitglied Verena Osgyan. Deshalb sollen die nichtstaatlichen Museen nur dann staatliche Unterstützung erhalten, wenn sie sich zur Washingtoner Erklärung bekennen, forderte Osgyan in der Erläuterung des grünen Antrags zur Rückgabe von Raubkunst. Er wurde einstimmig beschlossen. Ein zweiter zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der Provenienzforschung wie etwa die Einrichtung einer zentralen öffentlichen Stelle, die die Ergebnisse der meistens dezentral angelegten Forschungsprojekte erfasst und dokumentiert, fand unverständlicherweise nicht die Zustimmung der CSU, obwohl die vorgeschlagenen Maßnahmen ohne große Kosten zu realisieren wären. Dagegen stimmten alle Fraktionen dem Antrag zu, dass die Leiterin der in letzter Zeit heftig kritisierten „Taskforce Schwabinger Kunstfund“, Ingeborg Berggreen-Merkel, noch vor der Sommerpause dem Ausschuss Rede und Antwort stehen soll.
Dürr und Osgyan zeigten sich erfreut, dass die Regierung die grünen Vorschläge aufgegriffen habe, auch wenn die vorgesehenen Mittel für Personal und Unterstützung nicht ausreichen würden. Sie versicherten, die Bemühungen kritisch zu begleiten und auch in Zukunft weitere Vorschläge einzubringen, die die Regierung gerne übernehmen könne.


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