Feministisch, global, gerecht – Die EU als Vorreiterin der Frauenrechte?

GRÜNER FRAUENEMPFANG

Rund 90 Frauen aus ganz Bayern kamen am 1. März 2019 zusammen, um am Grünen Frauenempfang zum Thema feministische Außenpolitik in Nürnberg teilzunehmen. Die bayerische Landtagsabgeordnete Verena Osgyan und die Nürnberger Stadträtin Elke Leo luden in die Kulturscheune der Altstadtfreunde ein, um über Europa, Feminismus und zukünftige Ziele zu diskutieren und sich untereinander zu vernetzen.

Eine Podiums- und Publikumsdiskussion mit Kristina Lunz (Co-Founderin des Centre for Feminist Foreign Policy), Henrike Hahn (Spitzenkandidatin der Bayerischen Grünen zur Europawahl), Andrea Kuhn (Leiterin des Nuermberg International Human Rights Film Festivals) und Claudia Gessl (Internationales Frauencafé Nürnberg), bildete das Kernstück der Veranstaltung. Das Duo “Weigand&Kamolz” begleitete die Veranstaltung musikalisch. 

Verena Osgyan eröffnete die Veranstaltung mit einem Plädoyer für mehr Frauen in diplomatischen und parlamentarischen Ämtern. Entscheidungen, die an Verhandlungstischen getroffen werden, betreffen überwiegen Frauen, doch diese werden dort selten gehört. Nur über gleichberechtigte Teilhabe am politischen Prozess können die prekären und gefährlichen Situationen, in denen Frauen sich weltweit wiederfinden, behoben werden. Länder wie Kanada und Schweden schreiten in diesem Feld voran, Frauen haben dort tatsächliche Chancen, die Außen- und Sicherheitspolitik mitzubestimmen und somit neue Sichtweisen und Handlungsstrategien einzubrigen. Nun gilt es auch für weitere Länder und auch die Europäische Union nach diesen Vorbildern zu handeln, denn nur 13% der Botschaften weltweit werden von Frauen geführt. Historisch gesehen hat sich gezeigt, dass die Lebensrealitäten von Frauen und Mädchen erst dann wahrgenommen und ihre Interessen umgesetzt werden, wenn sie selbst mitentscheiden, egal ob im Gemeinderat oder bei den United Nations 

Kristina Lunz, Mitbegründerin des Centre for Feminist Foreign Policy und Beraterin des Auswärtigen Amts, führte mit einem Impulsvortrag weiter in die Thematik der feministischen Außenpolitik ein. Für sie ist diese unbedingt notwendig, um den Bedürfnissen aller Menschen gerecht zu werden. In ihrem Studium der Diplomatie an der Universität Oxford bemerkte sie, dass beinahe sämtliche Literatur des Themengebietes von Männern verfasst war und das mit massiven thematischen Mängeln einhergeht. Die Relevanz und Existenz von Vergewaltigungen als Mittel in Kriegen zum Beispiel, wird nicht bis kaum behandelt, obwohl diese perfide Kriegstaktik seit jeher Gebrauch findet und immer noch aktuell ist. Das sei eine der verheerenden Folgen des Mangels an Frauen in der Diplomatie. Lunz erklärte, dass feministische Außenpolitik immer auf zwei Ebenen geschehe: Zum einen in der fairen Repräsentation aller Gesellschaftsgruppen in diplomatischen Ämtern und das Hinterfragen von festgefahrenen patriarchalen Strukturen im diplomatischen Betrieb. Den zweiten wichtigen Aspekt stellen für sie außenpolitische Entscheidungen dar, die immer auch darauf ausgerichtet sein müssen, strukturelle Ungleichheit zu erkennen und aktiv zu bekämpfen. Sie beendete ihren Input mit einem Zitat von Sarah Grimke: “Ich bitte keinen Gefallen für mein Geschlecht. Alles, was ich von unseren Brüdern verlange, ist, dass sie ihre Füße von unserem Nacken nehmen und uns erlauben, aufrecht zu stehen” 

Während der Podiums-diskussion wurden weitere Forderungen unterschied-licher Ebenen und Handlungsbereiche klar. 

 

Andrea Kuhn ist, durch ihre Funktion als Leiterin des Nuermberg International Human Rights Film Festivals, mit Filmemacherinnen und Aktivistinnen auf der ganzen Welt vernetzt. Durch den Austausch mit diesen hat sie gelernt, dass es schwer ist, die tatsächlichen Lebensrealitäten von Frauen und Mädchen in extrem patriarchalen Strukturen wahrzunehmen, wenn man nicht direkt mit ihnen im Kontakt steht. Wichtig ist für sie, ebendiese zu Wort kommen zu lassen und sie in ihrem Kampf um Gleichberechtigung zu unterstützen, aber auf keinen Fall zu bevormunden, wie es häufiger vorkommt.  

Für Claudia Gessl vom Internationalen Frauencafé Nürnberg steht in ihrer Arbeit besonders der Aspekt flüchtender Frauen an oberster Stelle. Für diese ist die Flucht in eine sicherere Region noch um einiges schwerer und gefährlicher, da sie häufig Opfer von sexueller Gewalt, Menschenhandel und Zwangsprostitution werden. Wenn sie es trotzdem schaffen, diesen Verhältnissen zu entkommen, benötigen sie Hilfsprogramme, die sie mit der Aufarbeitung ihrer Erfahrungen und der Bewältigung der materiellen Konsequenzen unterstützen. Doch selbst diese fehlen meist. 

Henrike Hahn möchte nach der Europaparlamentswahl in diesem Jahr, sich in der EU für eine konsequente feministische Politik einsetzten. Das beginnt für sie schon bei der Vergabe von Subventionen durch die Union, auch hier müsse verstärkt auf Gender-Budgeting geachtet werden, um Frauen und ihre Interessen in der EU nicht zu benachteiligen. Bisher erhalten primär Männer eben diese Subventionen, da als typisch weiblich geltende Arbeit meist wenig geschätzt wird und trotz finanzieller Notstände nicht bezuschusst wird. Doch auch eine Quotierung der der Wahllisten und letztendlich der Kommission hält sie für ein wichtiges Mittel. 

Elke Leo berichtete in ihrer Funktion als frauenpolitische Sprecherin der Grünen Stadtratsfraktion von den Bemühungen der Stadt Nürnberg auch auf kommunaler Ebene feministische Politik zu betreiben. Und über Gender Mainstreaming, zum einen in der städtischen Personalentwicklung, aber auch über Maßnahmen wie gendergerechte Stadtentwicklung, die Gleichberechtigung der Geschlechter in Nürnberg voranzubringen.  

Im Anschluss gab es für alle Anwesenden die Möglichkeit, sich in entspannter Atmosphäre miteinander zu vernetzen und die diskutierten Themen weiter zu vertiefen. Für musikalische Untermalung sorgte das feministische DJane-Kollektiv “trouble in paradies” aus Nürnberg.

 

 

 

 

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