Mehr als drei Viertel der Uni-Wissenschaftler nur befristet beschäftigt

PRESSEMITTEILUNG/ SCHRIFTLICHE ANFRAGE

Prekäre Arbeitsverhältnisse durch mangelnde Grundfinanzierung und rechtsfehlerhafte Verträge

München – Die befristete Beschäftigung wissenschaftlicher und nichtwissenschaftlicher Mitarbeiter an Bayerns Hochschulen ist, wie die Antwort auf eine Anfrage der Landtags-Grünen zeigt, ein bayernweites Problem. An den Universitäten liegt der Anteil der befristet Beschäftigten beim wissenschaftlichen Personal gar bei 77,6 Prozent. „Mehr als drei Viertel der Wissenschaftler arbeiten damit in einem vertraglichen Schwebezustand“, moniert die hochschulpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Verena Osgyan. „Wir sehen hier die unmittelbaren Auswirkungen einer mangelnden Grundfinanzierung der Hochschulen durch den Freistaat und der hohen Abhängigkeit von unsicheren Drittmitteln.“

Hinzu käme, dass das Kultusministerium die Hochschulen bislang offensichtlich nicht hinreichend über die rechtlichen Rahmenbedingungen für befristete Verträge im wissenschaftlichen Betrieb informierte. „Die Hochschulen sind unsicher, wie das WissZeitVG konkret angewendet werden muss, insbesondere, wenn es um Anstellungen im Rahmen der Drittmittelfinanzierung geht“, so Verena Osgyan. Ihre umfangreiche Anfrage an die Staatsregierung hat derweil offensichtlich schon dazu geführt, dass zumindest zwei unrechtmäßige befristete Verträge in unbefristete überführt wurden.

„Im Kultusministerium fehlt es generell an der Sensibilität für die Problematik prekärer Beschäftigungsverhältnisse im Wissenschaftsbetrieb“, glaubt Verena Osgyan. Der jüngst bekannt gewordene Fall eines Lehrbeauftragten an der LMU, der vor Gericht seine Festanstellung erstritten hat, sei bei weitem kein Einzelfall. Spätestens nach den Enthüllungen zu rechtsfehlerhaften Beschäftigungsverhältnissen an der Universität Regensburg im Januar 2014 hätte die Ministerialbürokratie aktive Aufklärungsarbeit leisten müssen. „Wenn unsere Anfrage nun der Anlass für eine bessere Informationspolitik ist, freut uns das natürlich“, resümiert Verena Osgyan. „Außerdem brauchen wir die Aufnahme eines verbindlichen Verhaltenskodex (Code of Conduct) in den Zielvereinbarungen mit den Hochschulen, um auf Landesebene die Befristungen generell begrenzen zu können“.

Hier finden Sie die Anfrage mit Antwort der Staatsregierung als PDF

2 Gedanken zu „Mehr als drei Viertel der Uni-Wissenschaftler nur befristet beschäftigt“

  1. Hat eigentlich schon einmal jemand diese gravierende Problematik aus der Sicht der Studentinnen und Studenten betrachtet? Tut man das muss man feststellen, dass die Befristung wissenschaftlicher Stellen auch stark zu deren Lasten geht. Dem aktuellen Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs und der Kommentierung der GEW zufolge (siehe z.B. die Zusammenfassung bei https://www.textundwissenschaft.de/2017/05/02/1272/ ) hat sich auch durch die neue Rechtslage nicht wirklich etwas zum Besseren gewendet. Nach wie vor hat die Mehrzahl der Nachwuchswissenschaftler nur sehr begrenzte Chancen, eine echte Lebensplanung zu machen – wie sollen sie es da ihren Studentinnen und Studenten beibringen? Ich sehe hier die politisch Verantwortlichen, aber auch die Hochschulleitungen selbst gefordert, eine für alle betroffenen Gruppen akzeptable Lösung zu finden. Das Geld kann letztlich in einem reichen Land wie Deutschland nicht die Ausrede sein.

  2. Hallo Lina Kellermann,

    vielen Dank für Ihren Kommentar, Sie sprechen ein wichtiges Thema an!

    Tatsächlich haben wir erst im Oktober 2016 eine Aufstockung der Mittel zum Zweck der Verbesserung der Studienbedingungen an den bayerischen Hochschulen und der besseren Betreuung der Studierenden, der Vermeidung prekärer Beschäftigungsverhältnisse und der Verbesserung der Situation der Lehrbeauftragten gefordert.

    Unseren Antrag finden Sie hier:
    https://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP17/Drucksachen/Basisdrucksachen/0000009000/0000009022.pdf

    CSU und Freie Wähler haben gegen unseren Antrag gestimmt, er hat somit keine Mehrheit im bayerischen Landtag gefunden.

    Wir kämpfen aber natürlich weiter und stehen in regem Austausch mit verschiedenen Studierendengruppen und den bayerischen Studierendenvertretungen. 2018 sind wieder Landtagswahlen in Bayern und vielleicht gibt es ja danach andere Mehrheiten im Parlament, um diese Probleme endlich anzugehen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Verena

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