Prekäre Situation von Lehrbeauftragten endlich verbessern!

GRÜNE WOCHE

Auf unsere Initiative hin fand ein Fachgespräch im Wissenschaftsausschuss zur prekären Situation der Lehrbeauftragten an Hochschulen statt. Der Expert*innenkreis, der dem Ausschuss Rede und Antwort stand, setzte sich aus Prof. Dr. Martin Ullrich, Vorsitzender der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen, Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Vorsitzende der Universität Bayern e.V., Eduard Meusel von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Susanne Schlößer, Lehrbeauftragte am Sprachenzentrum der Universität Erlangen, und Rudolf Ramming, Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik Würzburg, zusammen.

Die Expert*innen und Abgeordneten waren sich einig, dass die immer größer werdende Zahl an Lehrbeauftragten mit befristeten Anstellungsverhältnissen, schlechter Entlohnung und fehlender Mitbestimmung in den Hochschulgremien nicht hinnehmbar sei. Unsere hochschulpolitische Sprcherin Verena Osgyan ärgert sich: „Im Bereich Musik und Kunst, aber auch in den Sprachzentren ist die Situation der Lehrbeauftragten besonders prekär. Der ‚ergänzende Charakter‘, den die Lehraufträge am Lehrangebot der Hochschulen eigentlich haben sollten, geht immer mehr verloren. Die CSU-Regierung, aber auch die Hochschulen selbst müssen hier endlich gegensteuern.“

Bayernweit sind ca. 6.000 Lehrbeauftragte an den Hochschulen beschäftigt, seit 2003 hat sich ihr Anteil sogar verdoppelt. Musikhochschulen weisen einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Lehrbeauftragten auf, weil es dort kaum Stellen im akademischen Mittelbau gibt. Die Verträge von Lehrbeauftragten sind befristet auf maximal zwei Jahre und eine Übernahme in eine Festanstellung ist bei den meisten nicht möglich. Auch die Entlohnung der Lehrbeauftragten ist besorgniserregend: Bei einem Stundensatz von 30 Euro sind die Vor- und Nachbereitungszeit, Prüfungsvorbereitungen und -korrekturen nicht mit eingepreist. Rechnet man diese Tätigkeiten mit ein, beträgt der Stundenlohn nur noch neun Euro, also Mindestlohnniveau. Dabei sind inzwischen viele Lehrbeauftragte nicht neben-, sondern hauptberuflich an den Hochschulen tätig. Demokratische Mitbestimmungsrechte haben die Lehrbeauftragten, obwohl sie Mitglieder der Hochschule sind, ebenso wenig wie Aufstiegs- und Entwicklungsperspektiven. So ist der Anteil an Habilitationen unter Lehrbeauftragten verschwindend gering.

Besonders anschaulich wurde die prekäre Lage vieler Lehrbeauftragter von Susanne Schlößer dargelegt. Die Lehrbeauftragte an der Uni Erlangen verfügt über zwei Universitätsabschlüsse und hält sich mit vier verschiedenen Beschäftigungsverhältnissen in ihrem Fachbereich über Wasser. Sie wies darauf hin, dass im Zuge der Internationalisierung von Forschung und Lehre vor allem den Sprachenzentren eine größere Bedeutung zukomme. Dennoch gebe es vor allen dort eine überaus hohe Anzahl an Lehrbeauftragten, die sich von Lehrauftrag zu Lehrauftrag hangelten und oft erst zwei Wochen vor Semesterbeginn erfahren würden, ob ihr Kurs denn tatsächlich stattfinde. An die Adresse von CDU-Generalsekretär Peter Tauber gerichtet, schimpft Verena Osgyan: „Das Beispiel von Frau Schlößer zeigt, dass man durchaus „etwas Ordentliches gelernt“ haben kann und trotzdem drei Minijobs haben muss. Das scheint die Union noch nicht verstanden zu haben.“

Um die Situation von Lehrbeauftragten an Bayerns Hochschulen endlich zu verbessern, muss ihre Vergütung deutlich erhöht werden. Außerdem brauchen wir dringend mehr Festanstellungen, die das Pflichtangebot an Lehrveranstaltungen abdecken, und Lehraufträgen so wieder ihren ergänzenden Charakter verleihen. Auch innovative Strukturen unterhalb einer Professur, wie z.B. befristete Tenure Track oder Juniorprofessuren im Bereich der Musik- und Kunsthochschulen könnten die Karriereperspektive von Lehrbeauftragten verbessern. Entscheidend ist zudem, dass Lehrbeauftragte ihre Interessen selbstbestimmt vertreten und an der demokratischen Mitbestimmung in den Hochschulgremien teilhaben können.

In einem Antragspaket werden wir die CSU-Regierung auffordern, hier endlich tätig zu werden und konkrete Verbesserungen für die Lehrbeauftragten zu erreichen.

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