„Meine Kirche und ich – Politiker geben Auskunft“

VORTRAG

„Wie hat mich die Kirche geprägt? Was bedeutet diese für mich als Politikerin? Wo sehe ich meine Aufgaben und Schnittstellen zur Politik als berufene Synodalin?“ Antworten auf diese und viele weitere Fragen interessierten die Besucher der Veranstaltungsreihe „Meine Kirche und ich – Politiker geben Auskunft“, die die evangelische Erwachsenenweiterbildung Hof/Naila e.V.  veranstaltet. Ziel dieser Reihe ist es, Abgeordnete des bayerischen Landtags, die zugleich Mitglieder der evangelischen Landessynode sind, ihre ganz persönliche und politische Beziehung zur Kirche zu schildern. Den Anfang machte MdL Verena Osgyan am 12. Februar 2015 mit ihrem Vortrag im Gemeindesaal der Kreuzkirche, Hof.

Hier Verenas Vortrag in voller Länge:

Was hat mich bewogen, die Berufung in die Landessynode anzunehmen?
Christin zu sein ist für mich etwas sehr Persönliches. Wenn ich meine eigene Glaubenserfahrung betrachte, ist mir Dietrich Bonhoeffer mit seinem Leitspruch „von der Geborgenheit in den guten Mächten Gottes“ in allen Zeiten ein wichtiger Anker.
Aber der Wunsch hier mitzuarbeiten, resultiert vor allem auch aus der Erfahrung der Zugehörigkeit zu einer größeren Gemeinschaft, die Menschen in ihrer ganzen Vielfalt annimmt. Als gebürtige Rotherin bin ich in einem traditionell evangelisch geprägten, ländlichen Umfeld aufgewachsen, wo auch heute noch Kirche und Gemeinde Halt in allen Lebenslagen bieten. Gleichzeitig habe ich in meiner jetzigen Heimat Nürnberg Kirche so erlebt, dass sie Kunst und kulturelles Erbe bewahrt und fortschreibt, aber vor allem auch über die Gemeinden hinaus wichtige Eckpfeiler in der Bildungs- und sozialen Arbeit setzt und dabei spannenden Herausforderungen in einem heterogenen, multikulturellen Umfeld gegenüber steht. Ich selbst komme ja nicht aus den kirchlichen Strukturen, sondern sehe als berufene Synodalin meine Aufgabe darin, das was ich kann und an Erfahrung und Grundwerten aus meiner politischen Arbeit mitbringe, zum Wohle der Kirche einzusetzen und eine Art Verschränkung zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen zu setzen. Deshalb bin ich im auch Ausschuss „Gesellschaft und Diakonie“ für die Synode tätig. Das ist der „wo die ganzen PolitikerInnen drin sind“, wie mir gleich zu Anfang ein altgedientes Mitglied versichert hat. Das macht aber auch durchaus Sinn, denn da kann ich meine Kompetenzen und einen gewissen Außenblick einbringen, während ich zu eher innerkirchlichen Themen wie z.B. der Reform des Pfarrersbilds realistischerweise keinerlei Hintergrundwissen habe.

Bisherige Kontakte zur evangelischen Kirche
Meine ersten Berührungspunkte in der Kirche waren für mich sicher die, die wir alle haben – getauft, konfirmiert, verheiratet, den einen oder anderen Gottesdienst, der sehr berührt hat, aber auch die Erfahrung, dass Gemeinden in ganz erheblichem Maß einen Kitt bilden, um eine auseinander driftende Gesellschaft zusammenzuhalten. Mit 20 Jahren war mir persönlich beispielsweise das eher enge traditionelle Umfeld auf meinem Dorf zu eng – ich bin unter dem Motto „Stadtluft macht frei!“ nach Nürnberg gezogen und hatte dort anfangs eher weniger mit Kirche am Hut. Dann merkte ich, dass es dort eine ganz andere Interpretation von Gottesdiensten und offenen Angeboten, gerade in der „Eine Welt- Arbeit“, gab, die ich dann wiederum sehr ansprechend fand. Im Gegensatz zu den gewählten Synodalen, die als Kirchenvorstände oder ordinierte Mitglieder bereits vorher innerhalb der Organisation Kirche tätig waren und theologisch wesentlich tiefer gebildet sind, ist mein Blick aber sicherlich die eines einfachen Gemeindemitglieds. Das hat den Nachteil, dass sich mir vieles erst nach und nach erschliesst, aber auch den Vorteil an viele Fragestellungen frisch herangehen zu können, ohne bestehende Sachzwänge immer gleich im Hinterkopf zu haben.

Prägende Erlebnisse
Emotional prägend war für mich mit Sicherheit die Erfahrung von Gottvertrauen, das ich immer wieder in meiner Familie gespürt habe sowie der Gedanke, dass vor und nach uns das Generationen so erfahren und weitergegeben haben. Als Kind habe ich mit großer Neugier immer wieder unsere uralte Familienbibel angesehen und mir vorgestellt, wer vor mir alles da hereingesehen hat.  Die Bibel ist von 1555, hat alte Holzschnitte und ist an allen Seiten angekohlt. Es ist völlig unklar, wie das in meine damals kleinbäuerliche Familie geraten ist und wie die Bibel überhaupt durch den Dreißigjährigen Krieg gekommen ist (wahrscheinlich war es ursprünglich die Dorfbibel, die mehr oder weniger gerettet wurde), aber offensichtlich war sie vielen, vielen Generationen wichtig genug, um sie zu hüten und weiterzugeben. Das gefällt mir nach wie vor sehr gut, auch als Symbol für eine Haltung, sich einerseits auf eine lange ungebrochene Tradition zu stützen und andererseits die Herausforderungen der Zeit anzunehmen und den einen oder anderen Zopf auch einmal mutig – oder notgedrungen abzuschneiden.

Was fällt mir im „Kirchenparlament“ auf – im Vergleich zur Arbeit im Landtag oder in politischen Gremien?
Der grundlegende Mechanismus ist ja in beiden parlamentarischen Sphären gleich: Es gibt Anträge, Ausschüsse, die die verschiedenen Fachbereiche abarbeiten, ein Plenum, Wahlen und Abstimmungen. Daher sind mir als Politikerin die grundlegenden Mechanismen natürlich schon vertraut. Dennoch gibt es große Unterschiede, was Umgangsformen und Atmosphäre betrifft. Im Kirchenparlament läuft die Arbeit wesentlich konsensorientierter als im Landtag. Als Oppositionspolitikerin habe ich im Maximilianeum die klare Aufgabe die Regierung zu kontrollieren, während die Arbeit in den Fachausschüssen des Landtags wiederum eher ergebnisorientiert ist. Die großen Aussprachen im Plenum dienen meist der Vermittlung unterschiedlicher politischer Positionen gegenüber der Öffentlichkeit. Zuspitzung und auch die eine oder andere Polemik gehört dabei zum Geschäft, damit die verschiedenen Positionen sich auch nach außen vermitteln lassen.
In der Synode ist das anders, es gibt zwar Arbeitskreise mit unterschiedlichen Ausrichtungen, aber keine Fraktionen im klassischen Sinn. Die Entscheidungsfindung braucht manchmal länger, dafür wird versucht, wenn möglich, alle einzubinden und mitzunehmen. Zudem nimmt neben den Beratungen die Gemeinschaft im Glauben, Andacht und Besinnung einen großen Raum innerhalb der Tagungen ein. Das hat mir auf meinen ersten beiden Synoden gut gefallen. Im Großen und Ganzen geht es aber in beiden Bereichen immer darum, die Sorgen und Nöte der Menschen ernst zu nehmen, Ungerechtigkeiten auszugleichen und Leitplanken für eine nachhaltige Entwicklung zu setzen.

Was finde ich gut in der evangelischen Kirche?
Im Gegensatz zu vielen meiner Freundinnen und Freunden katholischen Glaubens, die teils sehr mit einer als vorgestrig empfundenen Lehrmeinung der Kirche hadern, habe ich nie den Eindruck gehabt, dass wir uns als evangelische Kirche vor Reformen drücken und nicht mit der Zeit gehen. Unsere Kirche ist bunt und vielfältig und wird nicht nur von kinder- und ehelosen Ü70-Herren geleitet! Das ist mir insbesondere als Frau wichtig, denn ich könnte mir einfach nicht vorstellen, dass ich Teil einer Kirche bin, in der ich nicht die gleichen Rechte in spiritueller oder funktioneller Hinsicht hätte wie unsere männlichen Mitglieder.
Mit unserer selbstverständlichen Mitwirkung von Frauen auf allen geistlichen Ebenen oder der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen haben wir hier als evangelische Kirche in Bayern und in Deutschland bereits einen weiten Weg zurückgelegt, aber auch sicher noch viele andere Schritte vor uns. Und auch der Frauenanteil in den kirchenleitenden Gremien ist ja durchaus erfreulich – da sind wir mit 40% deutlich besser als der Bayerische Landtag, wenn auch der vergleichsweise niedrige Anteil der weiblichen berufenen Synodalen hier leider den immer noch schwierigen Weg für Frauen in Spitzenpositionen von Wirtschaft und Politik widerspiegelt.

Wo habe ich meine Fragen oder womit bin ich in der evangelischen Kirche nicht einverstanden?
Ich habe das Glück, dass ich für mich einen Grundkonsens mit „meiner“ evangelischen Kirche verspüre – sonst hätte ich den Sprung als relativ neues Mitglied im Bayerischen Landtag in die Synode sicher nicht gleich gewagt und von bewusstem Querulantentum halte ich generell wenig. Es gibt aber sicher viele Fragen, die mich persönlich immer wieder umtreiben.
Das eine sind sicherlich die immer wieder auftretenden Fragen um „Krieg und Frieden“ – welche Haltung ist hier ethisch zu rechtfertigen, wo muss / kann eingegriffen werden – angesichts der jüngsten Debatte um Waffenlieferungen an Kurden im Irak hatten wir das ja wieder recht plastisch. Ich vertrete da die Haltung, dass Zuschauen und Nicht- Eingreifen mindestens genauso problematisch ist wie das Gegenteil. Ich glaube aber, dass das eins der großen Themen sein wird, dem wir uns auch als Synode stellen müssen und darüber debattieren.
Ein anderes ist sicher auch der Umgang mit bestimmten Strömungen evangelikaler oder kreationistischer Art, die innerhalb oder außerhalb der Landeskirche agieren. Das hat nichts damit zu tun, dass ich auch charismatische Strömungen nicht achte. Für mich brauchen wir aber eine klare Abgrenzung gegenüber Vertreterinnen und Vertretern, die die Evolutionslehre leugnen, Schwule und Lesben offen diskriminieren oder sektenartige, repressive Vorgehensweise gerade in der Jugendarbeit zeigen. Das ist zum Glück eine eher seltene Sache, ich finde aber dennoch, dass wir uns als moderne, offene Kirche dazu eindeutiger positionieren sollten.

Wo sehe ich dringenden Handlungsbedarf in der Kirche?
Ich freue mich vor allem darauf, durch die Mitarbeit im Ausschuss für Gesellschaft und Diakonie aktuelle Fragestellungen aus evangelischem Blickwinkel beleuchten zu dürfen. Eine Hauptherausforderung wird sicherlich sein, Kirche für junge Menschen erlebbar und attraktiv zu gestalten, denn sie sind unsere Zukunft – auch wenn wir uns damit abfinden müssen, weniger zu werden. Das ist aber auch ein allgemein gesellschaftliches Problem. Angesichts des demografischen Wandels darf die Mehrheit der Älteren die Bedürfnisse der Jugend nicht missachten. Gleichzeitig müssen wir neue Konzepte entwickeln, um ein gutes unabhängiges Leben im Alter und menschenwürdige Pflege sicherzustellen und den verschiedensten Lebensentwürfen gerecht zu werden. So sehe ich meine Schwerpunkte der kommenden sechs Jahre vor allem bei der Generationengerechtigkeit, Integration und im gesellschaftlichem Dialog. Dabei wünsche ich mir, dass wir es in den nächsten Jahren gemeinsam schaffen, den Mitgliederschwund aufzuhalten, die Gemeinden in der Stadt wie in der Fläche in ihren besonderen Bedürfnissen zu unterstützen und eine starke, gerne auch unbequeme christliche Stimme im öffentlichen Diskurs in Bayern zu sein.
Mein Ziel ist eine Kirche, die dabei die Selbstverantwortung der Christinnen und Christen vor Gott im Sinne des lutherischen Glaubens bewahrt, aber sich stetig mit der Welt wandelt und für eine moderne Gesellschaft öffnet. Das unterscheidet uns auch klar von anderen Kirchen – siehe die bereits genannte Vorreiterrolle bei der Frauenordination.
Leider haben wir in Bayern, aber insbesondere bei uns in Franken immer noch einen verfestigten rechtsextremen Bodensatz, der unser Miteinander gefährdet, Mitbürgerinnen mit Zuwanderungsgeschichte ausgrenzt und das gesellschaftliche Klima vergiftet. Im Kampf gegen Rechtsextreme und antidemokratische Tendenzen müssen Politik und Kirche daher weiterhin eng zusammenarbeiten. Mich hat es auch sehr gefreut, dass trotz der Entwicklungen rund um Pegida und Co, hier gerade die Kirchen und insbesondere auch unser Landesbischof diejenigen waren, die von Anfang an ganz klar Stellung bezogen haben.

Welche Impulse gibt die Mitarbeit in der Kirche für mein politisches Engagement? Wo gibt es Verbindungen, wo Widersprüche?
Als Evangelische und Grüne möchte ich gleichzeitig Kirche und Gesellschaft weiter entwickeln, denn Reformation ist ein Auftrag nicht stehenzubleiben. Vieles deckt sich auch ganz konkret mit meinen Grünen Zielen – bei uns in der Partei heißt es „Erhalt der Lebensgrundlagen“ und Christinnen und Christen nennen es „Bewahrung der Schöpfung“. Der Sinn dahinter ist der gleiche. Dieses Ziel ist wichtiger denn je, denn die Schöpfung ist bedroht – Klimaerwärmung, Bevölkerungswachstum, Verteilungskrisen, Artensterben, Flucht und Vertreibung, Konflikte – da geht es nun wirklich an die ganz großen Themen.
Natürlich bin ich keine Kirchenfrau im eigentlichen Sinne, sondern eine evangelische Politikerin. Als Abgeordnete ist man immer Berufspolitikerin – 7 Tage die Woche, 12 Monate im Jahr, auch wenn das Parteibuch im kirchlichen Kontext für mich natürlich erst einmal keine Rolle spielt. Dennoch: es wäre Selbsttäuschung zu sagen, dass man den einen Hut automatisch an der Tür abgibt, wenn man die jeweils andere Sphäre betritt. Ich versuche daher einerseits so weit es mit gelingt, meine beiden Mandate grundsätzlich als unabhängig voneinander zu betrachten. Das heißt aber nicht, dass ich meine Grundwerte nicht in beide Richtungen einbringen kann. Ich versuche mir darin so gut wie möglich treu zu bleiben, da ich davon überzeugt bin, dass das die Basis für ein demokratisches Miteinander ist. Als Grüne sehe ich die Trennung von Staat und Kirche als grundlegende Voraussetzung für die positive Rolle von Kirchen- und Religionsgemeinschaften als Kräfte der Zivilgesellschaft an. Ich habe aber die Kirchen immer auch als wertvolle Bündnispartner politischen Handelns erlebt: im ökumenischen Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung, beim Eintreten gegen Fremdenfeindlichkeit und für internationale Verständigung sowie bei ethischen Fragen der modernen Gentechnik. Gleichzeitig hat Kirche als kompromisslose Mahnerin zugunsten der gesellschaftlich Benachteiligten eine besondere Funktion Politik in die Verantwortung zu nehmen, sei es im Einsatz für Flüchtlinge und Asylbewerberinnen, unsere Mitmenschen in der Einen Welt oder Sozial- und Bildungsbenachteiligte bei uns vor Ort, gleich welcher Konfession oder Religion. Ein Thema, bei dem dies ganz besonders zum Tragen kommt, ist der aktuelle Streit ums Kirchenasyl. Viele Kirchen-gemeinden entscheiden aktuell aus ihrem Gewissen heraus – und auch für mich ist die Gewissensentscheidung und die Gewissensfreiheit eines der höchsten Güter der Evangelischen Christen – Flüchtlinge in Härtefällen zu beherbergen, bis insbesondere bei Dublin II und III – Fällen die Frist abgelaufen ist, nachdem für sie ein Verfahren in Deutschland erfolgen kann. Das ist nicht mit einem „Recht“ im juristischen Sinn gleichzusetzen, ich denke dennoch, dass diese Gewissensentscheidungen aus Nächstenliebe von staatlicher Seite zu respektieren sind. Denn die Funktion der Kirche als geschützter Raum und Zuflucht in Notsituationen ist uralt und während der ganzen Kirchengeschichte hindurch präsent gewesen. Ich empfinde es daher als im höchsten Maße alarmierend, wenn das plötzlich kriminalisiert werden soll und die bisherige Kooperation zwischen staatlichen Stellen und Kirchengemeinden in diesen Fällen nun nicht mehr möglich sein soll, wie Äußerungen von Staatsminister Thomas dé Maiziere und Manfred Schmidt vom Bundesamt für Migration und Flucht aktuell nahelegen.

Was bedeutet der christliche Glaube für meinen politischen Alltag und für mein Leben?
Er ist ein Quell der Stärkung, und da mache ich keinen Unterschied zwischen privat und politisch. Wenn der christliche Glaube im Alltag verinnerlicht und gelebt werden kann, gibt es grundsätzlich wenig Widersprüche. Es ist aber auch klar, dass nicht immer alle guten Vorsätze den realen Umständen standhalten. Aber das geht uns vermutlich allen ähnlich, egal in welchem Beruf. Dennoch glaube ich, wir genießen meist das Privileg, dass es privat wie politisch selten um die ganz schwerwiegenden Fragen geht – auch wir im Landtag entscheiden nahezu nie über Fragen von Leben und Tod, aber als Christin und zumal evangelische, bewegt mich schon immer wieder die Frage nach dem Gewissen, der Gewissensentscheidung und der Abwägung, wie man rechtzeitig erkennt, wenn es ums Ganze geht, und dann auch den Mut findet, sich richtig zu entscheiden.
Da kann ich nur hoffen, dass mir der Glauben ein guter Ratgeber ist, wenn es soweit kommen sollte, dass ich mich einmal in der Situation einer ethischen Entscheidung selbst auf dem Prüfstand wieder finde. Wenn ich da zurückblicke und zurückschaue, wie es auch in der Kirche immer wieder solche Scheidewege gab – nehmen wir einfach als Anlass den vor kurzem zurückliegenden 80. Jahrestag der Barmer Erklärung der Bekennenden Kirche (Die Theologische Erklärung der Bekenntnissynode in Barmen vom 31. Mai 1934 ist die zentrale theologische Äußerung der Bekennenden Kirche unter der nationalsozialistischen Herrschaft 1933-1945) – dann ist auch der Glauben nicht immer ein Garant im Rückblick das Richtige zu tun. Zu Zeiten des Dritten Reichs haben sich schließlich deutlich weniger Christinnen und Christen der oppositionellen Bekennenden Kirche angeschlossen als den regimenahen Deutschen Christen. Aber ich hoffe, dass solche Erfahrungen individuell und kollektiv helfen, daraus zu lernen und sich zu verbessern.

Inwieweit gibt es Bibelworte, die mir wichtig sind?
Ich wurde im Vorfeld auch nach einem Bibelwort gefragt, das mir wichtig ist. Da könnte ich je nach Bedarf verschiedene auswählen, aber ein Leitmotiv, das mir spontan in den Sinn kommt ist da sicherlich mein Trauspruch: „Liebe deckt alle Übertretungen zu“ aus dem Buch der Sprüche. Den habe ich mir nicht ausgesucht, weil ich vorhatte frisch verheiratet erst mal kräftig über die Stränge zu schlagen, sondern, weil ich glaube, dass nur Zorn und Hass zu Streit führen  (der erste Teil des Verses lautet: „Hass erregt Streit“), während die Liebe es schafft, auch mit Problemen umzugehen. Liebevoll verzeihen ist eines der höchsten Güter, aber auch am schwierigsten. Ich kann durchaus zornig werden, und manchmal ist gerechter Zorn ja auch ein Antrieb, gerade im politischen Bereich, etwas zu ändern. Aber er sollte sich nicht gegen Menschen richten, dann wird es immer destruktiv.  Ich bin jetzt aber auch schon seit 10 Jahren verheiratet, und das Motto hat sich insofern bewährt.
Am prägendsten ist für mich aber wie schon erwähnt Bonhoeffer mit seinem Gebet von den Guten Mächten Gottes. Das hat mir mehr als einmal im Stillen als eine Art Mantra gedient, um mir in Situationen, wo gerade alles zusammenzubrechen scheint, wieder Hoffnung und vor allem auch Stärke zu verleihen, ungeachtet von Ängsten, die wir alle immer wieder haben – und das mit Recht! – trotzdem mit Zuversicht weiterzumachen und nach vorne zu schauen.

Ich möchte deshalb mit dem Vers enden:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
Erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit und Geduld – ich freue mich auf die Fragen und die Diskussion!

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