Kongress „Arbeit 4.0: Anders arbeiten in einer digitalisierten Welt“

GRÜNE WOCHE

Die zunehmende Digitalisierung wird weitreichende Auswirkungen auf die zukünftige Arbeitswelt haben. Fortschreitende Technisierung lässt die Grenzen zwischen virtueller und realer Arbeitswelt zunehmend verschwimmen und heutige Kommunikations- und Informationstechnologien haben den Arbeitsalltag grundlegend verändert. Wir sind überall erreichbar und immer einsatzbereit. Computer oder computergesteuerte Maschinen übernehmen in allen Arbeitsbereichen Tätigkeiten, die bisher von Menschen erledigt wurden. Die Landtags-Grünen haben sich am 26.012017 diesemThema mit einem Kongress gewidmet.

Es ist ein Thema, das die Gesellschaft als Ganzes betrifft und unseren Alltag in den kommenden Jahren immer stärker mitbestimmen wird. Dabei geht es um das Verschwimmen von virtueller und realer Arbeitswelt, um neue Arbeitskonzepte mit flexiblen Arbeitszeiten, -orten und -verträgen, um die Unterstützung des Menschen durch die Maschine. Diese Prozesse und Diskurse sind in dem Schlagwort „Arbeit 4.0“ zusammengefasst. Unter diesem Titel veröffentlichte das Bundesarbeitsministerium Ende November ein Weißbuch mit Vorschlägen, wie mit dem Wandel umzugehen sei. Viele Menschen sind besorgt, gerade weil der Grad der Veränderung auf lange Sicht noch nicht absehbar ist.
Wir Landtags-Grünen sehen hier die Notwendigkeit, die Bürgerinnen und Bürger über den Stand der Zukunftsforschung zu informieren und eine Plattform für Fragen und Diskussion zu schaffen, dabei aber auch die Chancen der kommenden Veränderung aufzuzeigen. Darum luden unsere Abgeordneten Verena Osgyan (Netzpolitische Sprecherin), Kerstin Celina (Arbeitsmarktpolitische Sprecherin) und Thomas Mütze (Wirtschafs- und finanzpolitischer Sprecher) im Rahmen der Veranstaltung „Arbeit 4.0: Anders Arbeiten in einer digitalisierten Welt“ am 26. Januar in den Landtag ein. Mit von der Partie waren Vertreter der Arbeitnehmerverbände, der Sozial-, Arbeits- und Zukunftsforschung sowie des Branchenverbandes der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche.

Nach einer Begrüßung durch Verena Osgyan führte Cornelia Daheim der Future Impacts Consulting ausgiebig in die Thematik ein und vermittelte einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung. Es folgte eine Podiumsdiskussion, die Thomas Mütze moderierte. Dr. Kira Marrs vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung in München verwies zunächst darauf, dass gesellschaftlicher Wandel auch immer von der Gesellschaft selbst ausginge und somit von dieser mitgestaltet würde; umso wichtiger sei es, frühzeitig ins Gespräch zu kommen und die Weichen für die Zukunft gemeinsam zu stellen.

Der Vertreter des Ver.di Landesbezirks Bayern Hans Sterr mahnte, auch diejenigen mit einzubinden, die nicht den „Digitale Natives“ angehörten und durch flexiblere Arbeitsbedingungen nicht die Rechte der Arbeitnehmer aufzuweichen; dabei stünden die Politik und die Arbeitgeber in der Verantwortung, dass Effizienz und Kostenreduktion nicht über die Belange und das Wohl der Arbeitenden gestellt werden.

Dr. Stefan Rief, Mitarbeiter am Fraunhofer-institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, rief zu Offenheit gegenüber der Veränderung auf. Was auf uns alle zukäme, sei nur in Andeutungen abzusehen, durch Angstmacherei sei aber niemandem geholfen. Dem stimmte auch Adél Holdampf-Wendel von BITKOM e.V. zu. Die positiven Aspekte der Digitalisierung müssten ebenso mehr in den Fokus rücken, etwa die enorme Arbeitserleichterung gerade bei schweren körperlichen Tätigkeiten sowie die zunehmende Flexibilität der Arbeitsumstände und somit Unabhängigkeit der Arbeitnehmer.
Anschließend stellten sich dem Publikum fünf Start-Ups vor, die die Chancen der Digitalisierung zu Nutzen hoffen. Die „Social Bees“ etwa verstehen sich als gemeinnütziges Zeitarbeitsunternehmen, das Geflüchtete auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet und den Kontakt zu potentiellen Arbeitgebern mit dem Ziel herstellt, nach spätestens anderthalb Jahren in eine Festanstellung übernommen zu werden. „Talent Cube“ möchte den Kennenlernprozess zwischen Unternehmen und Bewerbern vereinfachen, „everskill“ den Lernprozess von Arbeitenden nach Weiterbildungsveranstaltungen fördern und die Umsetzung des Gelernten vereinfachen. „Mates“ schließlich soll eine Anlaufstelle und Austauschplattform für Freischaffende sein, „cSouris“ präsentierte einen Sensor für „intelligente Gebäude“ mit frei zugänglichem Betriebssystem.

Wir kommen einmal mehr zu dem Schluss, dass der digitale Wandel politisch gestaltet werden muss und die möglichen Gefahren der Digitalisierung mit vorweg genommen werden müssen, anstatt später reine Schadensbegrenzung zu betreiben. Zugleich ist es aber ebenso wichtig, auf rationaler Ebene zu diskutieren und dabei die Chancen der Entwicklungen zu erkennen und konsequent zu nutzen.

 

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