Bayern ist Spitze? Schön wär’s – Beim Gender Pay Gap sind wir Schlusslicht

BERICHT

Gerade im Wahlkampf wiederholen CSU und FDP gebetsmühlenartig ihr Mantra, Bayern sei das führende Bundesland in Deutschland. Ein genauer Blick hinter die Kulissen offenbart aber, dass dies mitnichten so ist. Ein gutes Beispiel ist das Missverhältnis der Einkommen von Frauen und Männern, der sogenannte Gender Pay Gap. Hier lag Bayern 2012, laut Fortschreibung einer Erhebung durch das Statistische Bundesamt, auf einem wenig schmeichelhaften drittletzten Platz, überflügelt von angeblich weniger erfolgreichen Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Mit einer Lohnlücke von 25% verzeichnet der Freistaat auch ein um satte 3% größeres Minus als der Bundesdurchschnitt.

Eigentlich eine Platzierung, die den Ehrgeiz der bayerischen Politik anschüren sollte, doch das Gegenteil ist der Fall. Schwarz-Gelb blockiert nach Kräften alle Versuche, diese Ungleichbehandlung aus der Welt zu schaffen. Beispiele dafür gibt es viele: der ganz offenkundige Unwille beim Ausbau der Kinderbetreuungsplätze, der heftige Widerstand gegen die Einführung eines qualitativ und quantitativ hochwertigen Ganztagsschulsystems, der Versuch, Frauen mit einem staatlich überwiesenen Taschengeld vom Arbeitsmarkt fernzuhalten, wenn sie denn ihre Kinder selbst betreuen (Stichwort: Betreuungsgeld) und das kategorische Nein zu einer Quotierung bei der Besetzung von Arbeitsplätzen mit Führungsverantwortung, auch im politischen Betrieb. Die Begründung ist ebenso lau, wie falsch: man brauche keine Quote, die Gleichstellung würde sich von selbst ergeben. CSU und FDP sind für diesen Irrglauben herausragende Beispiele: die CSU-Fraktion im bayerischen Landtag umfasst insgesamt 92 Abgeordnete, darunter gerade mal 19 Frauen (20,65%), die FDP-Fraktion steht mit 5 Frauen bei 15 Abgeordneten (33, 3%) etwas besser dar. Im Vergleich dazu stellen wir GRÜNE 11 Frauen bei 19 Abgeordneten (57,89%), die SPD-Fraktion hat bei 39 Abgeordneten, darunter 18 Frauen, ebenfalls einen guten Schnitt (46,15%). Die Zahlen werden noch aussagekräftiger, wenn der Blick auf die bayerischen Bürgerinnen und Bürger fällt, die am 15. September den neuen Landtag wählen dürfen. 51,7% der wahlberechtigten, knapp 9,5 Millionen werden weiblich sein.

Damit steht fest: insbesondere die CSU-Fraktion spiegelt die bayerische Bevölkerung in keinster Weise wider und gerade bei ihr scheint die Selbstregulierung der Gleichstellung völlig fehlgeschlagen zu sein. Auch die Granden im bayerischen Kabinett sind unverhältnismäßig männlichen Geschlechts: von 18 MinisterInnen und StaatssekretärInnen sind gerade mal 5 weiblich, was einer „Quote“ von 27,7 % entspricht.

Wir GRÜNE fordern von CSU und FDP endlich eine Kehrtwende in ihrer Gleichstellungspolitik, einen Abschied vom Bremsklotz-Verhalten. Die Belange von Männern und Frauen müssen auch von Schwarz-Gelb gleichermaßen in Betracht gezogen werden. Denn die gender-unfreundliche Einstellung schadet nicht nur den betroffenen Frauen, sondern mittel- und langfristig auch der bayerischen Gesellschaft und der Wirtschaft. Nur mit einer faktischen vollzogenen Gleichstellung von Frau und Mann wird Bayern tatsächlich SPITZE sein.

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