Soiree anlässlich des 25. Jahrestags des Brandanschlags in Sivas

SOIREE

Am 6. Juli 2018 veranstalteten Verena Osgyan zusammen mit der Landesarbeitsgemeinschaft Kultur der bayerischen Grünen, eine Soiree anlässlich des 25. Jahrestages des Brandanschlags auf ein Hotel, in dem Künstlerinnen und Künstler, die für ein alevitisches Kulturfestival angereist waren, untergebracht waren.

37 Menschen verloren so am 2. Juli 1993 ihr Leben in den Flammen, als ein wütender Mob aus mindestens 15.000 Menschen, angestachelt von Islamisten, vor das Hotel zog, es in Brand setzte und Menschen daran hinderte es zu verlassen. Polizei und Militär griffen nicht ein, doch der Brand wurde über mehrere Stunden im türkischen Fernsehen übertragen. Bis heute wurden viele der Brandstifter nicht verurteilt oder flohen ins Ausland, wo sie unbehelligt weiterleben, da kein internationaler Haftbefehl von der Türkei an ihre Botschaften weitergeleitet wurde. Mindestens neun von ihnen leben heute in Deutschland. Bis heute wird das Massaker von Sivas von der Regierung maximal als tragischer Zwischenfall bezeichnet, nicht aufgearbeitet und weitgehend tot geschwiegen.

Auf der Soiree hielt Cengiz Sahin, Vorsitzender der Alevitschen Gemeinde Nürnberg e.V., ein Grußwort, in dem er versicherte, dass die Opfer nicht vergessen würden und besonders über die Musik und Kunst, die sie schufen, weiterleben und im Gedächtnis bleiben würden. Besonders kommende Generationen sollen so zum Nachdenken angehalten werden und den Leitspruch „Respektiere alle Kulturen, Religionen und Völker dieser Erde“ erlernen.

Claudia Roth, Vizepräsidentin des deutschen Bundestages und Sprecherin für Auswärtige Kulturpolitik führte anschließend in die Thematik ein. Erinnerungskultur sei ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur, um die Verbrechen in der Vergangenheit in der Zukunft zu verhindern, bestimmte Schlussstriche dürften niemals gezogen werden. Seit dem 16. Jahrhundert seien Aleviten Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt und der Anschlag von Sivas sei nichts anderes als ein Pogrom gegen die alevitische Gemeinschaft gewesen. Bis heute zeigen die Täter keine Reue und sind eher noch stolz auf ihre Taten, dass sie weitestgehend unbehelligt weiterleben, zeigt ein klares Staatsversagen auf, gegen das auch wir in Deutschland klar Stellung beziehen müssten, denn die Bedrohung der Freiheit in der Türkei ist eine Bedrohung der Freiheit allgemein. Ihre Rede endete mit dem einprägsamen Satz: „Lasst und Brücken bauen, denn Sprengmeister gibt es wahrlich genug!“

Schließlich wurden bei einer Konzertaufführung Texte des Zeitzeugen Yusuf Colak verlesen, welcher das schreckliche Geschehen dieses Tages literarisch aufarbeitete und von seinen Erfahrungen und Gefühlen im brennenden Hotel berichtete. Diese wurden musikalisch von eben diesem, gemeinsam mit seinem Ensemble, begleitet. Unterbrochen von Lesungen von Texten von Pir Sultan Abdal.

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