Gleichstellung an Hochschulen endlich voranbringen!

RUNDER TISCH

Nicht einmal jede fünfte Professur an Bayerns Hochschulen ist weiblich besetzt. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Gleichstellungsbericht des Wissenschaftsministeriums. Verena Osgyan, hochschul- und frauenpolitische Sprecherin der Landtagsgrünen, nahm die noch immer erschreckend niedrigen Zahlen zum Anlass, sich im Rahmen eines Runden Tisches mit Expertinnen aus der wissenschaftlichen Praxis über mögliche Maßnahmen zur Frauenförderung auszutauschen. Der Einladung folgten neben der baden-württembergischen Ministerialdirektorin, Dr. Simone Schwanitz, zahlreiche Frauenbeauftragte der bayerischen Hochschulen.

Verena Osgyan betonte zu Beginn der Veranstaltung, dass der so oft beschriebene Status Quo zwar allseits beklagt werde, es in Bayern aber bis heute an wirklich zielführenden Maßnahmen fehle. „Die Zahlen zeigen zwar einen leichten Anstieg, aber das Versprechen einer wirklichen Gleichstellung von Frauen und Männern wurde bis heute nicht eingelöst,“ kritisierte Osgyan. „Das bisher praktizierte Instrument unverbindlicher Zielvereinbarungen ist ganz offensichtlich gescheitert.“
Neben der geringen Professorinnenquote (17,2 %) zeige sich dies insbesondere an der Besetzung der Ämter, Funktionen und Gremien an den Hochschulen. So wird nur eine der neun staatlichen Universitäten von einer Frau geleitet, der Anteil der Dekaninnen liegt an den bayerischen Unis und Hochschulen für angewandte Wissenschaften bei lediglich 15,2 bzw. 8 Prozent. „Ins Auge fällt vor allem die Tatsache, dass der Frauenanteil an den Hochschulen mit jeder Qualifikationsstufe weiter abnimmt“, so Osgyan.

Während Frauen sowohl bei der Zahl der Studierenden (48,3 %) als auch bei den Promotionen (45,1 %) noch nahezu gleichauf mit ihren männlichen Kommilitonen bzw. Kollegen liegen, reduziert sich ihr Anteil bei den Professuren drastisch. Im Ländervergleich befindet sich Bayern sowohl in der Rangliste ‚Professuren‘ als auch in der Rangliste ‚Hauptberufliches wissenschaftliches und künstlerisches Personal‘ in der Schlussgruppe. „Es herrscht also – nicht erst seit heute – höchster politischer Handlungsbedarf“ erklärte Verena Osgyan. Ziel des Runden Tisches sei es daher, Denkanstöße aus anderen Bundesländern und aus der Hochschulpraxis zu erhalten – und auf dieser Grundlage wirkungsvolle Initiativen zu erarbeiten.

In ihrem Impulsreferat zeigte Simone Schwanitz, wie mögliche Maßnahmen aussehen können. „Seit 2011 haben wir den Schwerpunkt neben den wichtigen personenbezogenen Maßnahmen verstärkt auf strukturelle Maßnahmen gelegt“, betonte Schwanitz. Dazu zählten ehrgeizige Zielvorgaben – wie  die Etablierung des Kaskadenmodells oder hochschulindividuell angepasste Ziel- und Zeitvorgaben im Gleichstellungsplan – ebenso wie die Professionalisierung von Berufungsverfahren, die Schaffung verlässlicher Karrierewege, die Stärkung der Gleichstellungsbeauftragten und zum Teil feste Quoten für die Beteiligung von Frauen in den Gremien. „Wir haben uns die Frage gestellt: Wo brauchen Frauen mehr Macht – und unsere Maßnahmen dann genau auf diese neuralgischen Punkte konzentriert“, so Simone Schwanitz.

Mit ihrer Analyse, dass insbesondere die Berufungsverfahren einer dieser ganz entscheidenden Punkte sind, stimmten auch die anwesenden Frauenbeauftragten überein. Ein zentrales Problem in der Praxis sei die mangelnde Professionalität der Berufungsverfahren, so der einhellige Tenor der Expertinnen. Dadurch erst würden intransparente Seilschaften ermöglicht. „Neben verbindlichen Leitfäden fehlen hier vor allem Schulungsangebote zur gendergerechten Auswahl von Bewerberinnen und Bewerbern“, bemängelte die Sprecherin der Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, Margit Weber. Eine weitere zentrale Forderung war die feste Verankerung der Frauenbeauftragten in den Hochschulleitungen.

Wie wichtig professionelle Berufungsverfahren nicht nur aus gleichstellungspolitischer Sicht sind, betonte Simone Schwanitz: „Uns liegt die Qualität der Wissenschaft am Herzen – deshalb sind transparente und qualitätsfördernde Auswahlverfahren so wichtig!“ Gerade weil in Bayern an dieser Stelle noch viel zu tun ist, versprach Verena Osgyan abschließend, die Anregungen des Runden Tisches aufzugreifen und sich in engem Dialog mit allen Beteiligten dafür einzusetzen, die Gleichstellung an den Hochschulen endlich zu verwirklichen.

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