Kundgebung gegen Nachtfluglärm: Nürnberger Grüne sprechen sich für wirksame Maßnahmen gegen nächtlichen Fluglärm aus

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG

Am Donnerstag, 10.September 2026, findet um 20:00 Uhr auf dem Nürnberger Hauptmarkt auf Initiative der Fluglärm-Schutzgemeinschaft Nürnberg e.V. eine Kundgebung gegen Nachtfluglärm statt. Die Nürnberger Grünen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger unterstützen das Vorhaben und fordern die Verantwortlichen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene auf, endlich wirksame Maßnahmen zu ergreifen. 

Die Thematik beschäftigt die Bürgerinnen und Bürger aus Nürnberg, Fürth und Umgebung seit Jahrzehnten: Als einer von wenigen deutschen Flughäfen unterliegt der Nürnberger Airport keinen Nachtflugbeschränkungen, was für die Anwohnerinnen und Anwohner im Einzugsgebiet zu erheblichen Lärmbelastungen und damit einhergehend massiven Einschränkungen der Lebensqualität wie etwa Schlafstörungen, die wiederum gesundheitliche Folgen nach sich ziehen können, führt. Gesellschafter der Betreibergesellschaft Flughafen Nürnberg GmbH mit jeweils 50 Prozent und somit verantwortlich für die Regelung des Nachtflugbetriebs sind dabei die Stadt Nürnberg und der Freistaat Bayern.

Laut der Jahresbilanz des Flughafens für 2025 ist das Passagieraufkommen im Vergleich zum Vorjahr um 11,9 Prozent gewachsen und übertrifft somit den bisherigen Spitzenwert aus 2018 deutlich. Die wachsenden Zahlen haben zur Folge, dass auch die Anzahl der Nachtflüge gestiegen ist – von 24,9 Prozent für das Jahr 2024 auf bereits 27,8 Prozent im Juli 2025. Damit steigt auch die ohnehin schon große Lärmbelastung für die Anwohnerinnen und Anwohner am Flughafen und in dessen Flugschneisen.

Verena Osgyan, MdL für Nürnberg-Nord, nimmt dazu Stellung: „Das Maß ist voll, es muss endlich mehr getan werden. Die verwehrte Nachtruhe stellt eine eklatante Grundrechtsverletzung für die vom Lärm geplagten Menschen im Nürnberger Norden und im ganzen Städtedreieck dar. Eine breit unterstützte Petition an den Bayerischen Landtag wurde von der CSU/FW-Mehrheit vor zwei Jahren kurzerhand vom Tisch gewischt, ohne dass Alternativen aufgezeigt wurden. Statt dass sich die Staatsregierung und die Stadt Nürnberg auf die Seiten der Bürgerinnen und Bürger schlagen und als Betreiber des Flughafens die Nachtflüge unterbinden, halten sie an dem Nachtflugbetrieb fest. Für uns ist der Flughafen Nürnberg zweifellos ein wichtiger Baustein in der wirtschaftlichen Entwicklung der Metropolregion. Aber es kann nicht sein, dass Nachtflüge hier als vermeintlich billiger Wettbewerbsvorteil eingesetzt werden, anstatt sich strukturell besser aufzustellen.“

Rebecca Lenhard, MdB für Nürnberg-Nord, betont: „Es sollte geprüft werden, ob die de facto Quersubventionierung der (vergleichsweise wenigen) Tagflüge durch die (zahlreichen) Nachtflüge im Verbund mit den staatlichen Zuschüssen nicht einen eklatanten Verstoß gegen die EU-Beihilferegeln darstellt.“

Sascha Müller, MdB für Nürnberg-Süd, äußert sich wie folgt: „Noch vor wenigen Jahren gab es nur wenige Nachtflüge zur Daseinsvorsorge. Inzwischen reden wir von bis zu 60 kommerziellen Flügen in der Nacht – überwiegend Billigflüge zu Urlaubszielen. Dass eine solche Ausweitung nicht zwangsläufig ein neues Genehmigungsverfahren nach sich zieht, ist eine Gesetzeslücke, die vom Gesetzgeber dringend geschlossen werden muss.“

Auch Alexander Kahl, Fraktionsvorsitzender der Stadtratsfraktion Grüne-Volt positioniert sich klar: „Es ist zynisch, mit dem Verweis auf angebliche wirtschaftliche Notwendigkeiten die Nachtruhe zu verunmöglichen. Ganz abgesehen von den gesundheitlichen Folgen für die Bürgerinnen und Bürger weit über Nürnberg hinaus: Wie hoch ist der volkswirtschaftliche Schaden, wenn Arbeitskräfte Tag für Tag unausgeschlafen in ihren Betrieb kommen und entsprechend weniger leistungsfähig sind?“

Bereits im März dieses Jahres hat die Stadtratsfraktion Grüne-Volt einen Antrag zur Durchführung einer Machbarkeitsstudie durch die Verwaltung gestellt, die untersuchen soll, mit welchen Maßnahmen sich der Fluglärm über bewohnten Gebieten reduzieren lässt. Das Papier des Sachverständigenrats für Umweltfragen „Fluglärm reduzieren – Reformbedarf bei der Planung von Flughäfen und Flugrouten“ geht in seiner Kurzfassung unter anderem auf die Bündelung ein, also die konzentrierte Führung von Flugzeugen über ein bestimmtes Gebiet, um die gesamte Umgebung zu entlasten. Zum anderen wird die Streuung beschrieben: Die Auffächerung von Flugzeugen für eine Verteilung in der Breite. Zudem verweist der Bericht auf die Stärkung des aktiven Lärmschutzes, die Verbesserung eines passiven Lärmschutzes und festgelegte Flugrouten. Eventuell wären dies auch für Nürnberg effektive Maßnahmen. Darüber hinaus fordern die Nürnberger Grünen, Kurzstreckenflüge – auch aus ökologischen Gründen – auf die Schiene zu verlegen.