„Gated Communities“ – der 32. Chaos Communication Congress

REVIEW
Feiertage ade – die Tage zwischen den Jahren hat Verena sich Zeit genommen, um am 32. Chaos Communication Congress teilzunehmen.
Überall blitzt und blinkt es von jede Menge trickreich geschalteter Leuchtdioden, und über 12.000 Menschen trafen sich in Hamburg zum Hacken, aber auch um über Datenschutz, Technik und Politik zu sprechen. Das Motto dieses Jahr lautete „Gated Communities“, geschlossene Gemeinschaften, die Menschen vom Zugang zur Teochnik und damit von der Teilhabe und Partizipation ausschliessen. Das hatte durchaus eine doppelte Bedeutung, denn einerseits ging es um die Macht von Plattformen die mittels „Walled Gardens“ aus proprietärer Software und Hardware ihre Claims abstecken. Andererseits ist es gerade jetzt eine Metapher für unsere westlichen Länder, in der wir unsere offene Gesellschaft gegen unmenschliche „Das Boot ist voll“-Prediger verteidigen und uns dafür einsetzen müssen, dass Terroranschläge nicht als Vorwand für die Einschränkung unseres Bürgerrechts auf sichere und verschlüsselte Kommunikation herhalten dürfen, wie es leider in Frankreich und England derzeit der Fall ist.

 
In über 80 Sessions und Workshops hat die Hacker- und Netzaktivistencommunity Themen wie Dieselgate, CryptoWars, die Landesverratsaffäre rund um Netzpolitik.org oder die unsäglichen Nicht-Aussagen im NSA-UA aufgegriffen und mit praktischen Tipps zum Aufbau von Freies W-Lan für Geflüchtete etc. noch vieles vieles mehr zu diesem Motto beigetragen. Interessant und inspirierend war es auf alle Fälle, auch wenn am Frauenanteil auf der Veranstaltung noch etwas gearbeitet werden sollte. Und natürlich konnten es sich die anwesenden Grünen der BAG Medien- und Netzpolitik nicht nehmen lassen, den großen Erfolg unseres MdEP Jan-Philipp Albrecht zu feiern, der vor einigen Tagen gegen alle Lobbywiderstände die EU-Datenschutzverordnung auf den Weg gebracht hat und aus dem Anlass Gast bei einer Sondervorstellung des Films „Democracy – im Rausch der Daten“ war.
 
Im Nachgang zu diesen Tagen bleibt dennoch die Frage, wie diese hochaktuellen netzpolitischen Fragestellungen in das Bewusstsein der Menschen ausserhalb des CCC-Events gebracht werden können? Wo können hier Brücken gemäß dem Motto geschlagen werden im Sinn der  Bürgerinnen und Bürger in Europa, die nicht über den technischen Kompetenzen und über das Insider-Wissen zum Digitalen Selbstschutz verfügen, aber sich dennoch um den Umgang mit ihren Daten sorgen und ganz konkrete Handlungs- und Lösungsansätze brauchen.
Gerade als Politikerin sehe ich da großen Bedarf solche drängenden Fragen  nicht nur in der eigenen Community zu besprechen, denn es bringt nicht genug wenn sich in der eigenen Filterblase alle einig sind.
Diese Themen müssen in die breite Öffentlichkeit hinein getragen werden, um zu informieren und Stellung zu beziehen und den Freistaat und die Bundesregierung nicht länger in Floskeln verharren zu lassen. Wir Grüne in Bayern kämpfen dafür, dass gerade Bayern keine „Gated Community“ wird, da sich die bayerische Staatsregierung gerne mal als Fackelträgerin des ungebrochenen Fortschrittsglaubens generiert, dies jedoch gerade im Bereich der Digitalisierung ausschließlich als Laissez-Faire im Sinne der Wirtschaftsförderung begreift, anstatt sich im Sinne der Bürgerinnen und Bürger für Informationsfreiheit, digitale Verbraucherrechte und Sicherheit der Privatsphäre einzusetzen.
Dies gilt im gleicher Weise für die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Flüchtlingspolitik, denn anstatt hier gebetsmühlenartig nach einer Obergrenze zu rufen – was allein rechtlich gar nicht möglich ist, oder über Zäune an den Grenzezu spekulieren wie es die CSU gerne tut, sollten wir lieber alles daran setzen den Newcomer schnellstmöglich die Chance zur Integration zu geben – auf Basis unserer Verfassungswerte und nicht einer nebulösen „Leitkultur“.

 

 

2 Gedanken zu „„Gated Communities“ – der 32. Chaos Communication Congress“

  1. schöner Beitrag. Und ja, es muss in die breite politische Öffentlichkeit gehen. Den CCC gibt es seit 1984, seitdem laut einer Studie des MITs Frauen aus der IT-Branche verschwanden. Die Studie hat es auf den Kapitalismus zurück geführt: seit 1984 braucht es für ein IT-Studium einen HomeComputer, den sich Frauen oft nicht leisten konnten. Die Community besteht seitdem vorwiegend aus weissen Männern. Umso dringender, dass der CCC sich selbst dem eigenen Thema stellt und die eigene gated community öffnet.

  2. Hallo zusammen.

    Diese Antwort ist zwar reichlich spät aber passend zum bald bevorstehenden 33c3 möchte ich ein paar Dinge anmerken.

    Der CCC gibt sein bestes, um diese Themen ebenfalls nach außen zu tragen. Selbst in der Politik ist der Verein aktiv und tritt als Sachverständiger für das Bundesverfassungsgericht auf. Auch das Programm „Chaos macht Schule“ versucht Problematiken an die breite Bevölkerung heranzutragen und zwar dort, wo Sensibilisierung am wichtigsten ist; An Schulen! (siehe auch: https://ccc.de/schule). Das aber ein Verein nicht die selbe Medienwirksamme Kraft wie eine Partei hat, sollte bekannt sein.

    Events wie der Chaos Communication Congress sind unter anderem geschaffen worden um gleichgesinnte oder alternative Denkansätze zu entdecken. Die beschriebenen Themen werden auf solchen Events auf extrem hohem Niveau behandelt und es entsteht deswegen der Eindruck, es ist selbst eine Gated Community. Dies ist aber auch zugleich der Grund, wieso sich viele Mitmenschen nicht auf ein solches Event trauen und das obwohl auch „der besorgte Bürger/die besorgte Bürgerin“ gerne gesehen ist. Denn gerade auf Veranstaltungen wie dem „c3“ werden oft praktische und realitätsbezogene technische Lösungen vorgestellt, fragen können beantwortet werden oder Probleme diskutiert werden.
    Im Gegensatz dazu sieht man in der Politik oft nur völlig realitätsferne Lösungsansätze und oft fehlt auch schon das geringste Technikverständnis. Verstehen Sie mich bitte hier nicht falsch Frau Osgyan. Ich meine hier nicht Ihre Partei, nicht Sie direkt. Nein. Aber dem CCC hier keine Aktiven Maßnahmen zu unterstellen finde ich sehr fragwürdig.

    Diese Welt (der Technik), diese Denkansichten und auch speziell Chaos Events sind kein Privileg für weiße Männer. Tatsächlich ist jeder, wirklich _jeder_ interessierte Mensch herzlichst dazu eingeladen den CCC zu entdecken. Ob auf Events, im IRC oder generell im Internet. Das gerade Frauen selten vertreten sind, liegt sicher nicht an der Willkommenskultur dieses Vereins sondern eher an Medien, die den Menschen, auf welche Art auch immer, ein Weltbild von „blasshäutigen, weißen Technikfreaks“ in den Kopf setzen – leider mit Erfolg.

    Aber bitte glauben Sie mir eins Frau Osgyan und Frau Becker; ich habe noch keinen Ort in Deutschland erlebt, an dem jemand herzlicher aufgenommen wird und wo so viel Tolleranz gegenüber Mitmenschen herrscht.

    Viele Grüße aus der Chaoswelt.

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