Für ein buntes, vielfältiges Bayern!

REDEBEITRAG

Am 1. Oktober  protestierte das Aktionsbündnis Vielfalt statt Einfalt gegen den unsäglichen Kniefall des Kultusministers Spaenle vor der selbsternannten „Demo für alle“ und rief dazu auf, den offenen Brief an Spaenle mitzuzeichnen. An drei Schulen und dem CSU-Parteibüro warf das Nürnberger Bündnis gemeinsam mit Politikerinnen und Politikern Briefe ein und forderte den Kultusminister auf, die neuen Richtlinien in Kraft zu setzen, denn #bayernliebtvielfalt. Verena Osgyan hat sich sehr gefreut, zu diesem wichtigen Thema als regionale Abgeordnete für Mittelfranken mit einem Grußwort beitragen zu können.

Liebe Freundinnen und Freunde,

was Kinder und Jugendliche über Sexualität, Geschlechter und sexuelle Orientierung wissen ist maßgeblich dafür wie glücklich und selbstbestimmt sie ihr Leben leben und ihren Körper erfahren können. Das setzt voraus, dass sie gelernt haben, ihre eigenen Bedürfnisse zu kennen und vor allem auch andere zu respektieren. Und Respekt muss doch allen zukommen, nicht nur Heterosexuellen, sondern auch Schwulen, Lesben, Bi, Transgendern und was es auf unserer schönen Welt alles an Identitäten gibt.

Liebe Freundinnen und Freunde, Wissen ist nichts Schlechtes. Wir Leben in einer Kultur, die sich auf die Tradition der Aufklärung beruft, und da kann Aufklärung über Liebe und Sexualität doch nichts Schlechtes sein! Und dass das altersgerecht und pädagogisch kompetent vermittelt werden muss, ist doch eh klar, oder? Und dennoch scheint die Bayerische Staatsregierung mutwillig Kindern und Jugendlichen wertvolles Wissen vorenthalten zu wollen, nur weil das ein paar heuchlerischen und Bigotten Extremisten nicht gefällt. Das nenne ich einen Rückschritt ins tiefste Mittelalter!

Warum sind wir heute hier?

Seit Jahren setzen sich Pädagoginnen und Pädagogen, Politikerinnen und alle maßgeblichen Bildungsorganisationen für eine Reform der Sexualerziehung ein, die Kinder und Jugendliche über die Vielfalt sexueller Identitäten kindgerecht aufgeklärt.
Es geht darum, Selbstbewusstsein mitzugeben und auch Themen wie Verhütung und Partnerschaft, Sexualität in den Medien und Konfliktthemen wie Sexuellen Missbrauch in den Fokus zu nehmen. Ziel muss es sein, Kinder stark zu machen, und Ihnen mitzugeben, dass sie selbst und auch die anderen OK sind, wie sie sind, und ihnen dabei helfen mit ihrer Sexualität selbstbewusst und mit Respekt für andere umzugehen.
Wie wichtig das ist, zeigt sich gerade am Umgang mit queeren Jugendlichen an Bayerns Schulen: Solange „Schwule Sau“ein Schimpfwort ist, dass von Kindern bereits in der Grundschule völlig unreflektiert verwendet wird, aber Themen wie hetero- und Homosexualität kein Thema im Unterricht sind, ist es kein Wunder, wenn schwule, lesbische oder Transjugendliche sich unsicher fühlen, Angst haben vor ihrem Coming-Out oder auch massiv diskriminiert werden. Die Selbstmordrate unter queeren Jugendlichen ist viermal so hoch wie unter heterosexuellen. Hier könnte eine zeitgemäße Sexualerziehung helfen, Akzeptanz zu schaffen und Lehrerinnen und Lehren klare Hilfestellungen zu geben wie und wann diese Themen im Unterricht eingebracht werden.
Und es betrifft nicht nur queere Jugendliche! Heutzutage haben oft schon Grundschulkinder Zugang zu pornografischen Darstellungen, gerade auf Mädchen übt es starken Druck aus, wenn sie mit solchen Darstellungen und den darin enthaltenen meist stark frauendiskrimierenden Rollenbildern konfrontiert werden, bevor die Kinder überhaupt wissen, wie Liebe und Sex im ganz normalen Leben abläuft. Das ist die Realität, und da hilft es nicht sich hinzustellen wie die berühmten drei blinden, tauben und stummen Affen, da hilft nur Aufklärung!

Das ist eigentlich allen Menschen, die pädagogisch arbeiten klar!

Am 10. März 2016 stellte der bayerische Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle deshalb endlich neue Richtlinien für die Familien und Sexualerziehung an den bayerischen Schulen im zuständigen Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags vor. Diese waren wirklich überfällig, und wurden auch von allen Fraktionen – CSU, SPD, Freue Wähler und uns Grünen einhellig begrüßt.
Diese enthielten auch erstmals die Themen sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität als Punkte für den Unterricht.
Ich muss an der Stelle betonen: Die neuen Richtlinien waren keineswegs ein Schnellschuss, sondern Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses, an dem unter anderem die Kirchen, alle wichtigen Lehrerinnen und Lehrerverbände und Elternverbände beteiligt waren. Es war ein Kompromiss, ich hätte mir hier noch wesentlich weitreichendere Maßnahmen vorstellen können, um gerade gegen die Diskriminierung queerer Jugendlicher vorzugehen. So fordern wir Grüne seit langem einen Aktionsplan an Bayerns Schulen, der die Akzeptanz sexueller Vielfalt stärkt und auch Teil der Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern ist.

Dennoch, der Entwurf für die neuen Richtlinien zur Sexualerziehung war ein Schritt in die richtige Richtung, und was ist damit seither passiert – nichts! Allein das der Entwurf nun seit einem halben Jahr auf Halde liegt und nicht umgesetzt wird, hat einige Zweifel geweckt.

Am Montag den 12. September 2016 besuchte nun eine Delegation, bestehend aus Hedwig Freifrau von Beverfoerde, Birgit Kelle, Sabine Weigert von der Elternaktion ‚Bayern“ aus dem Umkreis der rechtsgerichteten „Demo für Alle“, sowie Manfred Spieker, der unter anderem für die sogenannte „Homoheilung“ eintritt, Herrn Staatsminister Spaenle in seinem Amtssitz. Dabei versprach Spaenle den Richtlinienentwurf vorerst nicht in Kraft zu setzen. Das ist ein im demokratischen Prozess einmaliger und nicht zu tolerierender Ausfall, wenn etwas jahrelang mit allen Fachleuten abgestimmt wird, der zuständige Fachausschuss quer durch alle Fraktionen einhellig zustimmt, und dann der Minister mir nichts, dir nichts einknickt, bloß weil ein paar lautstarke rechte Extremisten dahergelaufen kommen? Wo kommen wir da hin, was ist da die real existierende Demokratie in Bayern noch wert! Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass Bündnis gegen Trans- und Homophobie in der Region Nürnberg zur Demonstration aufruft, denn das dürfen wir uns nicht gefallen lassen.
Und die Tatsache, dass Spaenle nun Kelle & Co hofiert, anstatt dem Rat aller – wirklich aller – Fachleute zu folgen, ist leider kein Einzelfall. Wir erleben in der Bayerischen Politik derzeit einen massiven Backlash, und es zeigt sich immer wieder, dasS die CSU die Nähe von bigotten, frauenfeindlichen und homophoben Strömungen sucht, anstatt sich für eine menschenfreundliche Familien- und Sexualpolitik einzusetzen.
Ich nenne dabei nur die Tatsache, dass erst vorletzte Woche die Staatsmedaille an Gloria von Thorn und Taxis verliehen wurde für ihr Engagement im Verein „Ja zum Leben“, ein Verein der sich gegen Schwangerschaftsabbrüche einsetzt, selbst wenn die Frau vergewaltigt wurde, und gleichzeitig Verhütungsmittel ablehnt. Das ist einfach menschen- und frauenfeindlich, und nimmt willentlich in Kauf das junge Menschen in Notsituationen kommen, in denen sie sich nicht mehr zu helfen wissen.
Wohin so etwas führen kann, sehen wir derzeit in Polen, wo das Abtreibungsrecht derzeit nahezu komplett abgeschafft werden soll, und Frauen künftig bis zu 5 Jahren Haft drohen, wenn sie nach einer Vergewaltigung abtreiben. Das so etwas in Europa möglich ist, hätte ich nicht gedacht, das es so weit kommt, dass Frauen wieder unter dem Motto „Mein Bauch gehört mir“ auf die Straße gehen müssen, und für ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen.

Liebe Freundinnen und Freunde, noch ein anderes Beispiel. Erst letztes Jahr wurde bekannt, dass das CSU-Sozialministerium eine Publikation des katholischen Bistums Augsburg finanziert hat, in der massiv gegen die Gleichstellung Homosexueller Partnerschaften gehetzt wurde, mit Überschriften wie „Nach Gleichstellung der Homo-Ehe fällt das Inzestverbot“. Das war aber nicht alles, sondern es wurde genauso gegen Regenbogenfamilien und Alleinerziehende allgemein gehetzt. Als wir das Sozialministerium dazu befragten, meinte Staatssekretär Hintersberger lapidar „er teile diese Meinung nicht“.  Aber warum gibt es dann dafür Staats-Geld?
Das zeigt alles eindeutig, um was es der CSU geht: sich oberflächlich als weltoffen zu zeigen, aber heimlich still und leise, wo immer es geht ,diejenigen zu protegieren, die unsere Gesellschaft in die schlechten alten 50er Jahre zurückbefördern wollen.

Wir erinnern uns: Eine Zeit, in der Frauen an den Herd gehört haben und bei ungewollten Schwangerschaften bei Engelmacherinnen verblutet sind und schwule Männer, einfach dafür, dass sie liebten wen sie liebten, nach dem Paragrafen 175 im Knast gelandet sind. Aber dieser Spagat geht nicht auf. Liebe CSU, versteckt an der Politparade zum Münchner CSD teilnehmen und dann queere Menschen in den Lehrplänen weiterhin zu verstecken und damit weiterhin zu diskriminieren, das geht uns zu weit.

Wir sind das bunte, vielfältige Bayern, und wollen glückliche, selbstbewusste Kinder!

Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren, denn für Kinder, für Jugendliche und Erwachsene egal welchen Geschlechts und welcher sexuellen Ausrichtung, ist es wichtig, Bescheid zu wissen über Liebe und Sex und sich und andere zu respektieren. Nichtwissen schützt nicht, sondern erzeugt nur Leid und Diskriminierung. Wir sind das bunte, vielfältige Bayern, und wir wollen glückliche, selbstbewusste Kinder! Und wir lassen uns auch von den Lügen und der Propaganda der rechten Ideologen nicht einschüchtern, die Selbstbestimmung als „Gender-Wahnsinn“ diskreditieren. Wir alle, ob Frau, Mann, oder Trans, homo, hetero oder bi, sind der ganz normale, alltägliche bayerische Gender-Wahnsinn, und das ist wunderbar so! Zeigen wir also der CSU, wie das wahre Leben aussieht, die behaupten ja immer sie wären ach so nah am Menschen!

Vielen Dank!

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